Stuttgart liest ein Buch 2015: Judith Schalansky: Der Hals der Giraffe

»Der Hals der Giraffe« typografisch seziert

Von links: Prof. Stefan Schmid (Gestaltung und Verlagsherstellung), Prof. Dr. Rolf Jäger (Print und Electronic Publishing) und Prof. Ulrich Huse (Lektorat und Verlagswirtschaft) vom Studiengangs Mediapublishing an der Hochschule der Medien (HdM) in Stuttgart.

Von links: Prof. Stefan Schmid (Gestaltung und Verlagsherstellung), Prof. Dr. Rolf Jäger (Print und Electronic Publishing) und Prof. Ulrich Huse (Lektorat und Verlagswirtschaft) vom Studiengangs Mediapublishing an der Hochschule der Medien (HdM) in Stuttgart. (Foto: Tischer)

Ihre Bücher sind ein Gesamtkunstwerk: Als Mediengestalterin und Typografin legt Judith Schalansky großen Wert auf perfekte Gestaltung und perfektes Aussehen ihrer Bücher. So war »Der Hals der Giraffe« nicht nur auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis zu finden, das Buch wurde zudem von der Stiftung Buchkunst zum schönsten Buch des Jahres 2012 gekürt.

Drei Professoren des Studiengangs Mediapublishing an der Hochschule der Medien (HdM) analysierten Buch und Taschenbuch der »Giraffe« und gingen der Frage nach, wann ein Buch ein gutes Buch sei – gestalterisch betrachtet natürlich. Weiterlesen »

“Der Hals der Giraffe” lebt auf in einer szenischen Lesung

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Timea Farkas, Inge Lohmark 1, Maria Ferent, Schülerin und Janina Wissmann, Inge Lohmark 2 (v.li.)

 

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Peter Hauser (v.li.), Leser, Rektor; Timea Farkas, Inge Lohmark 1; Janina Wissmann, Inge Lohmark 2; Maria Ferent, Schülerin; Linda Dorittke, Lehrerin Schwanneke und Gesang; Jonah Reuß, Kontrabass; Jonatan Tropea, Gitarre (Fotos: Michael Seehoff)

Die szenische Lesung vom Theater im Polygon, aufgeführt im Gewölbekeller unter der Buchhandlung Lack in Fellbach, war ein wahrer Parforceritt durch den Roman von Judith Schalansky “Der Hals der Giraffe”. Durch eine sorgfältige Textauswahl und raffinierte Sprünge im Text entfaltete sich die Persönlichkeit der Biologielehrerin Inge Lohmark in all ihren Facetten. Die Schulsituation wurde mit einfachen Mitteln dargestellt. Ein großes Lob an die “beiden Lohmarks”, die ihrer Figur Leben gaben. Wie wirkungsvoll eine ausgeprägte Mimik sein kann, verkörperte die weitgehend stumme Schülerin.

Das musikalische Trio setzte Akzente und lies die Textflut in akustisches Erleben auslaufen.

Ein weiterer Bericht von Michael Seehoff mit Hörproben auf www.lerchenflug.de

Mitleid mit Inge Lohmark

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Christiane Lutz ergründet die Seele von Inge Lohmark (Foto: Ingrid Bussmann)

Christiane Lutz, die in Stuttgart eine Praxis als selbstständige Kinder- und Jugendpsychotherapeutin sowie als Paar- und
Familientherapeutin führt und als Dozentin am C. G. Jung-
Institut in Stuttgart und an der Akademie für Tiefen-
psychologie tätig ist, faszinierte mit ihrem psychologischen Blick auf den Roman „Der Hals der Giraffe“. Sie beschreibt die Hauptfigur, die Lehrerin Inge Lohmark, als narzisstische Persönlichkeit, der die Fähigkeit zur Nähe und zur Bindung zu Anderen abgeht. Inge Lohmark setzt auf die rein kognitive Wissensvermittlung und erreicht damit ihre Schüler nicht. Denn Wissensvermittlung setzt Bindung voraus, eine Fähigkeit, die Inge Lohmark auch in ihrem Privatleben in der Beziehung zu ihrem Mann und ihrer Tochter fehlt. Inge Lohmark ist eine einsame Person – und man kann Mitgefühl mit ihr empfinden.
Das Titelbild des Romans, die Giraffe ohne Kopf, interpretierte Christiane Lutz als Hinweis auf die Bedeutung der Gefühle in der Balance zum kognitiven Bereich. Sie sieht in dem Roman eine Geschichte, die deutlich macht, dass die rein kopfgesteuerte Lebensgestaltung zum Scheitern führt.
Übrigens: Während Christiane Lutz an dem Vortrag arbeitete, erhielt sie die Giraffe auf dem Bild zufällig als Geschenk…

Warum hat sie denn nun so einen langen Hals, die Giraffe?

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Ein länglicher Kopf und sieben Halswirbel – das Rosensteinmuseum präsentiert.

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Dr. Arnold Staniczek (li.), Judith Schalansky, Ulrich Schmid (Fotos: Wolfgang Tischer)

Eingerahmt von zwei sehr kenntnisreichen Herren stand Judith Schalansky Rede und Antwort im Rosensteinmuseum. Dr. Arnold Staniczek, Biologe und Spezialist für Wasserinsekten, und Ulrich Schmid, Leiter der Abteilung Bildung und Öffentlichkeitsarbeit am Museum für Naturkunde, stellten Charles Darwin, Jean-Baptiste de Lamarck und Ernst Haeckel vor, die “Väter” der Evolutionsbiologie. Für Nicht-Biologen warteten sie mit Fachwissen auf, differenzierten das verschwommene Bild, das sich Laien von der Evolutionsbiologie im Allgemeinen und der wissenschaftlichen Arbeit im Besonderen machen, angereichert durch Illustrationen und Filme via Bildschirm im Hintergrund. Schalansky, die für ihren Roman viele Biologiewerke durchforstet und ja auch Zeichnungen z.B. von Ernst Haeckel in das Buch integriert hat, ist die Thematik natürlich vertraut. Wissenschaftsgeschichte und literarische Anverwandlung war das Zentrum des lebhaften Gesprächs im Eingangssaal des Rosensteinmuseums vor einem sehr interessierten und gespannt lauschenden Publikum. Im Ausstellungsbereich rechts vom Podium steht als Exponat eine lebensgroße Giraffe. Sie dürfte gestaunt haben, was wir heute über sie wissen und wie sehr man darüber geforscht hat, wie und warum sie zu ihrem langen Hals gekommen ist.

 

Musiktheater “Sextuor: L’origine des espèces” bei den Sauriern

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Zwischen Exponaten des Museums: Professor Frank Wörner gibt eine Einführung in das Musiktheater

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Fünf Sängerinnen, eine Cellistin ersingen die Evolution auf Französisch mit furiosen Einlagen in einer Kunstsprache (Fotos: Astrid Braun)

Nach diesem musikalischen Parforceritt durch die Evolution reift die Erkenntnis, wie – zeitlich gesehen – unbedeutend das Auftreten des Homo Sapiens in der Geschichte der Erde ist, aber wie faszinierend der Mensch seinen “Auftritt” in der Geschichte in Szene zu setzen weiß. Weiterlesen »